
Paloma über Paloma:
„Ich heiße Paloma, bin zwölf Jahre alt, ich wohne in der Rue de Grenelle 7 in einer Wohnung für Reiche. Meine Eltern sind reich, meine Familie ist reich, und meine Schwester und ich sind folglich potentiell reich. Doch ich weiß schon lange, daß die Endstation das Goldfischglas ist, die Leere und der Unsinn des Erwachsenenlebens. Warum ich das weiß? Der Zufall will, daß ich sehr intelligent bin. Außergewöhnlich intelligent sogar. Daher habe ich meinen Entschluß gefaßt: Am Ende dieses Schuljahres, an meinem dreizehnten Geburtstag, werde ich Selbstmord begehen.”
Renée über Paloma:
„In der Familie Josse gibt es auch die jüngere Tochter, Paloma, die so diskret und diaphan ist, daß mir fast scheint, ich sehe sie nie, obschon sie jeden Tag zur Schule geht. (…) Gewisse Kinder haben die schwierige Gabe, die Erwachsenen erstarren zu lassen. Nichts in ihrem Benehmen entspricht den Normen ihres Alters. Sie sind zu gesetzt, zu ernst, und gleichzeitig schrecklich geschärft. Ja, geschärft. Während ich Paloma mit größerer Wachsamkeit betrachte, entdecke ich eine schneidende Schärfe, einen eisigen Scharfblick, den ich nur für Zurückhaltung hielt, sage ich mir, weil es mir unmöglich war, mir vorzustellen, daß die triviale Colombe einen Richter der Menschheit zur Schwester haben könnte.“